BOXER für Litauen

Der BOXER in der Ausführung für die litauische Armee. (Foto: ARTEC GmbH)

Der BOXER in der Ausführung von KMW mit PUMA-Turm. (Foto: KMW)

 

Im Sommer 2014 beschloss die litauische Regierung ihre Armee massiv zu modernisieren. Im Zuge eines realen Bedrohungsszenarios durch Russland wollte man zunächst im Rahmen eines „Government to Government“-Geschäftes den Radpanzer des Typs BOXER beschaffen. Allerdings wurde dies von der Bundesregierung abgelehnt, da sich die Bundeswehr noch selbst im Beschaffungsverfahren dieses Fahrzeugtyps wähnte. Der entscheidende Vorteil eines solchen Geschäftes wäre insbesondere die unkomplizierte und schnelle Beschaffung gewesen.

Der BOXER soll im Zuge des Modernisierungsprogrammes den in die Jahre gekommene Truppentransporter M113 aus US-Bestand bis 2021 ablösen. Durch das Nicht-zustande-Kommen des Geschäftes wurde ein Vertrag durch die Organisation für Europäische Rüstungskooperation (OCCAR) ausgearbeitet und schließlich zur Unterschrift gebracht. Sie und das litauische Verteidigungsministerium haben die ARTEC GmbH mit der Lieferung von 88 hochgeschützten Fahrzeugen des Typs BOXER ab 2017 an die litauische Armee beauftragt. Die Produktion findet bei den beiden Mutterhäusern von ARTEC statt. Gefertigt werden 53 Fahrzeuge bei KMW und 35 Fahrzeuge bei Rheinmetall. Die Bundeswehr hat bereits über 400 und die Armee der Niederlande 200 BOXER in unterschiedlichen Varianten in Nutzung oder im Beschaffungsprozess. Mit den litauischen Fahrzeugen sind damit bereits knapp 700 Fahrzeuge bei drei Nutzerstaaten unter Vertrag.

Auch Australien interessiert sich für den Radpanzer. Es möchte ihn als CRV-Variante (Combat Reconnaissance Vehicle) beschaffen. Seit August befindet sich der BOXER in der 2. Phase des Erprobungsprogrammes, in der die Risikominimierung bei einer möglichen Beschaffung näher erörtert werden soll.

Bei den jetzt bestellten Fahrzeugen handelt es sich um Radschützenpanzer (Infantry Fighting Vehicle) mit einem 30-mm-Turm. Er wird von dem israelischen Systemhaus Rafael aus Haifa geliefert. Neben der Hauptbewaffnung wird zudem ein MG 7,62 mm Koaxial Maschinengewehr verbaut. Interessant ist zudem, dass der Boxer zusätzlich die Panzerabwehrlenkrakete Spike LR (Long Range) –ebenfalls von Rafael geliefert- erhält. Damit ist er allein von der Bewaffnung besser konfiguriert, als der deutsche Schützenpanzer PUMA. Der Zulauf des Lenkflugkörpersystems Spike LR befindet sich noch im Zulauf bzw. in der Systemintegration. Mit der Serienfertigung ist laut PSM erst im nächsten Halbjahr des kommenden Jahres zu rechnen. Das GTK Boxer ist durch seine adaptierte Verbundpanzerung eines der derzeit am besten geschützten 8x8-Gefechtsfahrzeuge. Er zeichnet sich darüber hinaus durch hohe Mobilität sowohl auf der Straße als auch in schwerstem Gelände aus. Dank seines Turbodieselaggregats mit 530 kW (710 PS) erreicht der Boxer bei einem Gefechtsgewicht von 35 Tonnen eine Spitzengeschwindigkeit von über 100 km/h. Das modulare Konzept aus Fahr- und Missionsmodul bietet zudem hohe Flexibilität und Vielseitigkeit.

 

 

 

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