Directors‘ Meeting der Joint Military Aviation Authorities für NH90

Die vier Direktoren der militärischen Luftfahrtbehörden bei der Unterzeichnung des Basic Framework Documents. (Fotos: HFw Agathe Kulla, LufABw)

Erfolgreiche Unterzeichnung – Die JMAAN Arbeitsgruppe mit den Direktoren der militärischen Luftfahrtbehörden am Ende des Meetings.

Directors‘ Meeting der Joint Military Aviation Authorities für NH90

Am 21.06.2016 begrüßte der Amtschef des Luftfahrtamtes der Bundeswehr, General Dr. Rieks seine Amtskollegen aus Italien, Frankreich und den Niederlanden sowie Vertreter der NATO Agentur NAHEMA in Köln. Das Treffen der Direktoren der militärischen Luftfahrtämter fand im Rahmen der Zusammenarbeit für das NH90 Programm statt. Diese vier Nationen bzw. ihre militärischen Luftfahrtbehörden bilden die sogenannten Primary Authorities. Die wesentliche Aufgabe dieser Primary Authorities ist es, die Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit des NH90 Musters (Continued Airworthiness) sicherzustellen. Dafür ist der NH90 in Bauanteile untergliedert, welche jeweils einem Industriebetrieb der o.g. Nationen zugeordnet ist und durch die jeweilige Luftfahrtbehörde überwacht wird. 

Etwa 32% der Bauanteile werden durch die deutsche Firma Airbus Helicopters Deutschland in Donauwörth verantwortet und durch das Luftfahrtamt der Bundeswehr (LufABw) beaufsichtigt. Die Fachaufsicht erfolgt durch die Primary Authorities (PAs) bei allen musterzulassungsrelevanten Aktivitäten der Industrie (z.B. Modifikationen, neue Reparaturverfahren etc.). Dabei führen die PAs Bewertungen für den Bauanteil durch, der dem jeweils nationalen Industriebetrieb zugeordnet ist. Den übrigen am NH90 Programm beteiligten Nationen (bzw. deren Luftfahrtbehörden) gegenüber werden von den PAs Empfehlungen zur ergänzenden Zulassung ausgesprochen. Die nationale Musterzulassung verbleibt grundsätzlich in Verantwortung der jeweils nationalen Luftfahrtbehörde.

Bereits seit 2009 wird das Konzept der Joint Military Aviation Authorities für NH90 (JMAAN) verfolgt, um all diese Aktivitäten koordinieren zu können. JMAAN bezeichnet den organisatorischen Zusammenschluss der am NH90 Programm beteiligten Nationen mit ihren Repräsentanten der nationalen Luftfahrtbehörden. Traditionell  kommt die JMAAN Arbeitsgruppe zweimal jährlich zu einer Sitzung bei der zuständigen NATO Agentur NAHEMA in Aix-en-Provence (Frankreich) zusammen. Das LufABw ist dabei durch den TORR Andreas Ruge (LufABw 4 I b) vertreten.

Für den Amtschef des LufABw war es eine Freude das diesjährige Meeting im eigenen Haus ausstatten zu dürfen. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen traf sich die JMAAN Arbeitsgruppe mit den Direktoren der Primary Authorities, um ihre Arbeitsergebnisse vorzustellen.

Der wichtigste Punkt auf der Agenda war dabei die Inkraftsetzung eines neuen Strategie-Dokuments zur Lufttüchtigkeit des NH90, dem Basic Framework Document, welches am 21.06.2016 in einer feierlichen Zeremonie durch die Direktoren der militärischen Luftfahrtbehörden Italiens, Frankreichs, der Niederlande und Deutschlands unterzeichnet wurde. Das Basic Framework Document beschreibt die Kooperation der am NH90 Programm beteiligten Luftfahrtbehörden und vereinbart Grundprinzipien als Eckpfeiler eben dieser Zusammenarbeit.

Die Unterzeichnung des Basic Framework Documents wird von den Direktoren als historischer Meilenstein des NH90 Programms bewertet, denn dies kann als Kick-off für eine engere Zusammenarbeit bei der Einführung gemeinsamer Regelungen für die Lufttüchtigkeit im NH90 Programm angesehen werden. Der letzte Punkt auf der Agenda des Meetings war die Überführung des NH90 Programms in einen gemeinsamen Regelungsraum gemäß European Military Airworthiness Requirements (EMAR), welcher die anschließenden Gespräche bestimmte.

Der neue Ansatz gemeinsamer Regelungen gemäß EMAR wird derzeit in beinahe allen großen Rüstungsprojekten untersucht und diskutiert. Dabei geht es u. a. um gemeinsame Regeln zur Entwicklung, Musterzulassung, Produktion und Instandhaltung von Luftfahrzeugen und deren Bauteilen. Das bislang im NH90 Programm verfolgte JMAAN-Konzept deckt den EMAR-Ansatz im Bereich der Entwicklung und Musterzulassung fast vollumfänglich ab. Konsequenterweise wurde der dafür relevante Anteil EMAR-21 als Startpunkt für den potentiellen Übergang zum EMAR-Regelungsraum vereinbart. Während sich der Gespräche überwiegend auf die Industriepartner im NH90 Programm bezogen, wies der Amtschef des LufABw darauf hin, dass die eigene Organisation nicht „vergessen“ werden dürfe. Die Instandhaltungsbetriebe in den fliegenden Verbänden und der Aufwand zu deren Umstellung nach EMAR müssten betrachtet und untersucht werden. Weiterhin stellte der Amtschef die deutsche Entscheidung zur Einführung des NTH Sea Lion (Marineversion des NH90) gemäß (D)EMAR heraus. Vor diesem Hintergrund betonte er das große Interesse Deutschlands an einem ganzheitlichen EMAR-Ansatz im NH90 Programm.

Das Direktors Meeting wird als voller Erfolg gewertet werden. So waren die Vertreter der Partnernationen denn auch voll des Lobes, nicht nur wegen der German Hospitality, sondern vor allem wegen der ausgezeichneten Arbeitsergebnisse, welche den Aufbruch in ein neues Zeitalter gemeinsamer europäischer Regeln für den Bereich der sicheren Luftfahrt im NH90 Programm bedeuten.

 

 

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