Integrierte Brückensysteme – Neue Trends und Technologien

Neue Integrierte Navigations- und Brückensystemen nach IMO-Standards bringen deutliche Verbesserungen für die Schiffsführung. (Quelle: Raytheon Anschütz)

Durch die Integration von Navigation und C2 wird die Brücke zu einem „kombinierten Schiffsführungsraum“. (Quelle: Raytheon Anschütz)

 

Wenn die BADEN-WÜRTTEMBERG als erste Fregatte der Klasse F125 in Dienst gestellt wird, wird ein neuer Standard für Integrierte Navigations- und Brückensysteme (INBS) in der Deutschen Marine gesetzt.

Das INBS ist heutzutage ein hochgradig vernetztes und aufgabenorientiertes System. Es bietet u.a Zugriff auf verschiedene Navigationsfunktionen und unterstützt die Schiffsführung bei erforderlichen Entscheidungen in den jeweiligen Situationen auf See.

Multifunktionssysteme (MFS) spielen die Hauptrolle im INBS und kombinieren einzelne Funktionen wie Radar, Chart Radar, (W)ECDIS, (W)AIS, Conning oder Überwachung der Schiffsumgebung, die beliebig konfiguriert und deren Funktionen von jedem Arbeitsplatz aus genutzt werden können.

Das INBS nutzt eine offene Architektur und die Entkoppelung von Hard- und Software erleichtert Updates, zukünftige Upgrades oder Erweiterungen werden vereinfacht, während die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten reduziert wird. Durch Standardisierung in der Hardware und eine einheitliche Bedienphilosophie werden Ausgaben für Instandhaltung, Training und Logistik deutlich gesenkt.

2012 war die Einführung des Integrierten Navigationssystems nach INS Performance Standards MSC.252 (83), mit dem neue Funktionen, wie z.B. die zentrale Datenauswertung und -verteilung, die konsistente Präsentation von Daten, ein wichtiger Durchbruch für die Schiffsnavigation. Die zertifizierten Systeme bieten eine große Verbesserung für den Anwender und erhöhen die Sicherheit auf See.

Die neue Generation der MFS hat außerdem eine harmonisierte Bedienoberfläche, nutzt eine standardisierte Symbolik und systemweit identische Ziele, verfügt über zentrale Dimmung und Farbumschaltung sowie zentrale Benutzereinstellungen.

Eine besondere Herausforderung der Marine ist bekanntermaßen eine Reduzierung des Personals aus den verschiedensten Gründen. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen wäre ein Lösungsbeispiel die INS-Performance-Standards zur Reduzierung oder Automatisierung von Routineaufgaben zur Senkung der Arbeitsbelastung. Ein anderes Beispiel wäre die Kombination von Aufgaben: das Brückenpersonal wäre nicht nur für die Navigation, sondern auch für die Kommunikation oder die schiffstechnische Überwachung zuständig.

Noch interessanter aber ist die neue funktionelle Integration von Navigationssystemen und Command and Control (C2)-Systemen auf der Brücke. Dadurch können Marineschiffe neue Fähigkeiten in der Selbstverteidigung hinzugewinnen, während der Personalaufwand in wenig intensiven Szenarien wie Transit oder Liegezeiten reduziert werden kann. Um eine Bedrohung effektiv bekämpfen zu können, wird ein klares, gemeinsames Lagebild in Echtzeit benötigt – dies ist die Grundlage für alle C2-Systeme.

Ein integriertes Brückensystem für Navigation und C2 ermöglicht die funktionale Einbindung von verschiedensten Sensoren und von Waffensystemen, ebenso wie die Implementierung von spezifischen taktischen Funktionen im Radar oder in der WECDIS. Die C2-Anwendung verwendet dabei die bestehende kommerzielle Hardware sowie die moderne Netzwerk-Infrastruktur, um die erforderlichen Funktionalitäten bereitzustellen. Das Datengrundgerüst sowie die zentral angelegten Datenmanagement-Funktionen, welche durch die INBS bereitgestellt werden, ist leistungsfähig genug, um zusätzliche Sensoren wie Wärmebildkameras, Laserentfernungsmesser, Sonare oder unbemannte ferngesteuerte Drohnen (AUV`s, UAV’s) zu verarbeiten und kontrollieren.

In den letzten Jahren wurde die funktionale Integration von Systemen an Bord – und insbesondere im Bereich der Navigation – verbessert. Das Integrierte Brückensystem für die F125-Fregatten ist ein hervorragendes Beispiel für die Fortschritte in dieser Technologie. Durch die Integration von C2/Lagebild wird aus der Navigationsbrücke ein neues, leistungsstarkes Kommandosystem, welches zu stark verbessertem Situationsbewusstsein und zusätzlichen taktischen Einsatzfähigkeiten bis hin zur vollständigen Selbstverteidigung führt. Ein wichtiger Vorteil ist eine geringere technische und operative Komplexität des Systems im Gegensatz zum klassischen CMS. Das System kann durch zusätzlich geschultes Brückenpersonal bedient werden. Weitere Vorteile ergeben sich im Hinblick auf eine einheitliche Bedienung und Logistik sowie reduzierte Kosten für Hardware und Systemintegration.

 

 

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